Was ist Religion?

"Religio" und "Religare"

Der Begriff "Religion" stammt aus dem Lateinischen "religio", "religare" und bedeutet so viel wie zurück verbinden, Heiligkeit und Gewissenhaftigkeit. Es wäre aber nun falsch sich einzubilden, dass es Religion erst so lange gibt, wie es die lateinische Sprache gibt. Dann wäre Religion vergleichsweise jung, denn die lateinische Sprache gibt es erst seit ca. 250 v.Chr., wobei der Mensch in der Gattung "Homo" ca. zwei bis drei Millionen Jahre alt sein dürfte und der "Homo" schon vor ca. 122'000 Jahren mit jungpaläolithischen Höhlenmalereien seine religiösen Ansichten für ins in Artefakten hinterlassen hat. Religion ist älter als Latein.

Keine der heute populären Weltreligionen hat die Religion erfunden

Religion und Religiosität sind nicht nur vielleicht, sondern ganz bestimmt schon älter als als die 122'000 Jahre alten Höhlenmalereien, denn der Mensch hat Religion und religiöse Gedanken vielleicht schon lange gedacht, bevor er die Kunst der Malerei entwickelte.

Was ist nun genau eigentlich Religion?

Viele Menschen sagen: Ich bin nicht religiös. Wenn man sich aber nur einmal im Leben die Frage gestellt hat: Woher komme ich?, wer bin ich?, woher kommt die Menschheit?, woher kommt das Leben?, dann hat man sich geistig schon zurück zu verbinden versucht, und das ist Religion an ihrer Ur-Quelle!, zu fragen, wo komme ich oder das Leben her?

Religiös zu sein, ist im Grunde nur, sich dieser Frage bewusst zu sein und sie auf seine eigene Art und Weise für sich selbst zu beantworten zu versuchen. Sich selbst die Frage nach seinem eigenen Woher oder dem Woher des Lebens dann und wann zu stellen, das ist im Grunde Religion und das "religare" in seiner Ursprungsbedeutung. Religion ist für mich die Auseinandersetzung, die verantwortungsvolle Frage, nicht die Antwort. Oder anders gesagt, wenn ich auf die Frage eine Antwort bekomme, welche Respekt vor dem Leben hat, dann ist es Religion.

Das Fragen ist schon Religion, nicht die Antwort zu gestalten!

Aus der Beantwortung dieser Frage sind die grossen Konzepte und Gebäude entstanden, welche sich heute "Religionen" oder "Weltreligionen" nennen. Sie alle sind selbst erschaffene Antworten des Menschen auf sein Sein, hier in der Welt.

Woher warum wohin gehe ich?

Das sind im Grunde die fünf Fragen, welche das Verständnis der Verantwortung, im Grunde der Selbstverantwortung des Menschen und damit die Weltreligionen haben werden lassen:

Woher komme ich?

Wer bin ich?

Warum bin ich?

Wohin gehe ich?

Was ist der Sinn meines Lebens?

In der religiösen Praktik überstellt der Mensch aber seine Verantwortlichkeit für gewöhnlich an ein höheres Wesen, vor dem er sich für seine Taten verantwortlich fühlt und welches positive Taten im Leben des Menschen als Begründung ansieht, den Menschen in einem Paradies ewig leben zu lassen. Das ist die Grundidee der theistischen Religionen, ganz kurz erklärt.