Wahrheit

Leider kann ich Dir keine Wahrheit in dem Sinne erzählen, dass Du diese einfach konsumieren kannst und dann immer ganz einfach eine Antwort auf alle Deine Lebens- und Sinnfragen parat hast. Ganz so einfach wird es nicht, denken musst du schon auch noch selbst!

Ich kann also nicht Dein Guru sein, Du musst nämlich selbst alles ganz genau gegeneinander abwägen, musst selbst nach Deiner Wahrheit suchen, musst und darfst selbst Guru sein. Ein Weg aus den Religionen in die Freiheit kann es aber trotzdem allemal sein. Gehen musst du trotzdem selbst.

Was ich aber kann, das ist Dir meine Wahrheit über die Welt zu erklären und Dir begründen, warum ich so denke. Du kannst selbst darüber nachdenken und diese Wahrheit selbst für dich prüfen und sie natürlich für Dich selbst auch verwerfen, wenn sie mit Deiner Ansicht nicht korreliert.

Ich persönlich denke, dass keine der Weltreligionen die Wahrheit als Ganzes enthält. Ich denke, dass keine Religion wertvoll ist, welche die Frau nicht uneingeschränkt auf die selbe Stufe wie den Mann stellt und dies macht keine der fünf uns bekannten Weltreligionen. Selbst im sonst so undogmatischen Buddhismus kann man Erleuchtung nur als Mann erlangen, was ich für einen völligen Blödsinn halte. Entgegen der Aussage Buddhas, es gäbe jeweils nur einen erleuchteten lebenden Menschen, gibt es spätestens seit der Entdeckung und dem Konsum von LSD-25 hunderte, wenn nicht tausende von lebenden Erleuchteten.

Buddha hat zwar gesagt, dass eine durch Techniken und/oder Substanzen erreichte Erleuchtung nicht echt sei und negiert damit im Grunde seine eigene Erleuchtung, weil er sie durch die Technik der Meditation in der Isolation erreicht hat. (Ja, Buddha ist auch nicht vollkommen wenn man ihn wirklich hinterfragt.)

Die drei monotheistischen Religionen, Mazdaismus, Judentum, Christentum und den Islam verwerfe ich, weil ich nicht an eine Prüfung einer höheren Intelligenz über den Menschen glauben kann. Eine solche Intelligenz wie "GOTT" oder "ALLAH" ist in meinem Verständnis allwissend und weiss schon vor deiner Geburt, wie Dein Ende sein wird. Ich erachte es als ausgewachsene und äusserst hochmütige Arroganz des Menschen, sich tatsächlich einzubilden, er könne "GOTT", dem Schöpfer des Universums etwas beweisen, bzw. man müsse leben, um "GOTT" zu zeigen, wer man wäre. Das ist Grössenwahnsinn.

Auch an den Teufel glaube ich nicht, denn er ist vermutlich eine politische Erfindung aus der Zeit Zarathustras, dem Mazdaismus, um den Menschen einzuschüchtern und den Menschen gefügig zu machen. (1) Die Idee des Teufels hilft auch wunderbar, die Macht der Mächtigen zu sichern und wurde von allen anderen monotheistischen Religionen übernommen.

Die Wahrheit über das Leben und  die Welt gestaltet sich meiner Meinung nach ganz anders

Es ist eine Lüge der Religionen, dass man etwas dafür tun muss, um in das Paradies zu gelangen. Ganz im Gegenteil befinden wir uns schon im Paradies. Die Welt, in die wir geboren werden ist das Paradies und der Mensch schliesst sich durch seine eigenen Taten davon aus. Es ist immer der Mensch, der das Paradies durch Hass und Verantwortungslosigkeit zur sogenannten Hölle formt und es ist auch der Mensch, der durch sein verantwortungsvolles Handeln in Liebe, die Hölle zum Paradies formen kann.

Wenn es so etwas wie "GOTT" gibt, dann bist du das selbst. (2) "Tat tvam asi", was Buddha mit der Aussage, dass man selbst Buddhanatur sei, eigentlich auch aussagt. Die Aussage ist die Selbe, nur die Wörter sind anderst.

GOTTES Idee von Existenz ist das Universum. Diese universelle kreative Energie hat die Welten gestaltet, für Sein Kommen ist "Es" Existenz geworden und hat sich selbst als Bewusstsein seiner selbst in dafür geeigneten Lebewesen zurück gelassen, darunter dem Menschen.

Du bist eine Inkarnation GOTTES und Du hast Dich in Deiner eigenen Schöpfung inkarniert um das All-Ein Sein zu überwinden und Gemeinschaft zu erleben, denn allein Sein ist die Gotteserfahrung und Gemeinschaft ist die Erfahrung Gottes Liebe. (Siehe auch Alternativgenesis V1.0)

Das Universum ist entstanden, weil GOTT wissen wollte, wer er ist, wollte sich selbst erfahren und daher ist das Universum aus sich selbst entstanden. (3) "Causa sui" (Dies würde sich sogar weitestgehend (momentan 2009) mit der Ansicht der analytischen Wissenschaft, dem Urknall decken.)

Ja ich glaube monistisch, pantheistisch, vielleicht panentheistisch. Was aber der letztliche Sinn der Existenz ist, kann ich Dir nicht sagen, vielleicht dass sie existiert, dass Erfahrung da ist? Es bleibt ein Geheinnis und bietet Platz für weitere Projektionen.

Für mich sagen alle Religionen in ihrer Essenz letztlich das selbe aus, sie benutzen nur immer andere Wörter für die immer selben Dinge, welche im Grunde verborgen und zu beschreiben sind. Die Idee, wie man das Verborgene erreichen kann differiert von Religion zu Religion.

Für mich sagen alle einigermassen brauchbaren Religionen in ihrem Kern folgendes aus:

1. Erkenne Dich selbst und im Andreen

2. Liebe Dich in Dir und im anderen; behandle das Leben mit Respekt

3. Dein Handeln jetzt hat auf Deine Zukunft eine Auswirkung

Gerade das Handeln im Jetzt empfinde ich nicht als Wirkung im nächsten Leben, sondern es wirkt für mich viel kurzfristiger. Man kann es z.B. in Beziehungen zu Menschen merken. Handelt man in Beziehungen egoistisch und selbstsüchtig, gehen diese über kurz oder lang in die Brüche.

Wenn es also Gott gibt, dann bist Du das selbst. Vielleicht findest Du das jetzt grössenwahnsinnig, aber wenn das ja jeder ist, dann sind ja alle gleich gross und gleich wertvoll, sind alle gleichwertig höchstwertig, also doch kein Grössenwahn.

Ganz im Gegenteil auch zu der Annahme, dass Menschen, die von sich selbst glauben Gott zu sein, tun was sie wollen, weil sie kein Gericht Gottes fürchten müssen, handelt ein erwachter Geist verantwortlich, weil er weiss, dass er die Verantwortung für alle seine Taten hat, jetzt, und man Taten niemals rückgängig machen kann, also auch in alle Ewigkeit. Die Verantwortung liegt vollumfänglich beim bewussten Menschen. Das ist übrigens auch etwas, was alle religionen aussagen. Es fragt sich nur: Wer übernimmt sie?

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Ich weiss, dass meine Interpretationen und Ansichten für manchen sogenannten Wissenden oder Besserwissenden vielleicht ein Affront sind, vielleicht empfindet mich ein solcher Mensch geradewegs als dumm oder unwissend. Ich bin eben kein Besserwisser, der durch immer weitere Differenzierung seine Potenz und sein Wissen proleterisch darbringen und auslegen muss um sich selbst zu bestätigen und sich dabei doch nur in belangloseren Einzelheiten zu verlieren, sie weichen durch Uminterpretation ja trotzdem immer nur aus, die Besserwiser, kommen nie auf den Punkt; sondern ich bin ein Vereiner, der kleine Unterschiede bewusst übersieht und den darunter liegenden Sinn, der in vielen Dingen der selbe ist, weitergibt.

Ich weiss oder glaube gerade so viel zu wissen, dass ich weiss, dass ich nicht wissen und dies auch begründen kann und das reicht vorläufig vollends. Ganz lustigerweise empfinde ich auch, dass die ganze komplexe Welt in einer Erleuchtung im Einssein mit allem da Seienden gipfelt, Wahrheit kann also ganz einfach sein, nicht? Ich kenne nur Wahrheit, besser wissen kann man es ja gar nicht, oder? Ich bin auch bereit andere Inhalte in mein Denken aufzunehmen, wer weiss, vielleicht reicht es ja dann einmal, sich letztlich einen Wissenden nennen zu können. Nur nicht voreilig sein, zuerst gründlich schauen, dann für sich selbst urteilen.

Die Unwissenden verstecken ihre Unwissenheit vielfach hinter einem ganzen Schwall von aufzählerischen Verbindungen, sogenanntem Wissen, mit welchem sie Dich zudecken und mundtot versuchen zu machen aber hinter dem vielen Wissen ist meist keine Erkenntnis, was man mit dem vordergründigen viel Wissen zu kaschieren versuchen kann.

(1) Teufel, Satan, Luzifer, Universalgeschichte des Bösen, Gerald Messadié, dtv, 1999, S101-125

(2) Veden, Upanishaden, Bhagavadgita, Die drei Äste am Lebensbaum Indiens, Sri Chinmoy, DG 107, 2000, S.83

(3) Benedictus de Spinoza, Wolfgang Röd, Reclam, 2002, S.179